Mein Weg zum Yoga

Eve­lyn erzählt ihre Geschichte

Evelyn Yoga

Nein, es war kei­ne Lie­be auf den ers­ten Blick, auch bei mir nicht. 

Es war etwas, das ich aus­pro­bier­te, um mei­nem Rücken etwas Gutes zu tun. Zwar war ich schon immer aktiv und sport­lich, aber den­noch hat­te ich vom vie­len Sit­zen im Stu­di­um oder bei der Arbeit häu­fig Rücken­schmer­zen. Ich woll­te etwas dage­gen tun — abseits der übli­chen, von mir auf Dau­er eher als lang­wei­lig emp­fun­de­nen Rücken­fit Kurse. 

Mein ers­ter Schwin­del: Kun­da­li­ni Yoga

Vor ca 10 Jah­ren saß ich dann aus purer Neu­gier in einem Ham­bur­ger Sport­ver­ein das aller­ers­te Mal in einer Kun­da­li­ni Yoga­stun­de und war gespannt was das denn genau sei. Aus die­sem Kurs stol­per­te ich kur­ze Zeit spä­ter fast wie­der hin­aus, als mir beim Feu­er­at­men völ­lig schwin­de­lig wur­de und komi­sche, unver­ständ­li­che Wor­te gesun­gen wur­den, bei denen man sich seicht hin und her wieg­te. Nein, das was hier unter­rich­tet wur­de, war nicht der Sport, der mir hel­fen wür­de. Aber es gab ja noch so vie­le ande­re Yoga­klas­sen mit den unter­schied­lichs­ten undurch­schau­ba­ren Namen.

Try and Error: Bikram Yoga

Als nächs­tes lief mir ein Yoga­buch mit DVD über den Weg, mit dem ich anfing zu üben. Die Her­an­ge­hens­wei­se war mir deut­lich ver­ständ­li­cher, auch wenn ich die­sen her­ab­schau­en­den Hund am Anfang noch mehr als unbe­quem emp­fand und in keins­ter Wei­se als die Pau­se wahr­nahm, als die er bezeich­net wurde. 

Ich schau­te mich bei Sport- und Yoga­stu­di­os um und pro­bier­te die unter­schied­lichs­ten Sti­le aus. Unter ande­rem das viel ange­prie­se­ne Bikram, heu­te Hot Yoga, bei dem man in einem 40 Grad war­men Raum eine immer wie­der­keh­ren­de Asa­na Abfol­ge turnt — mit viel Gehe­chel und auf und ab. Die­ses stän­di­ge Auf­ste­hen und Hin­le­gen, Kopf in den Nacken wer­fen und Vor­ge­beu­ge war extrem anstren­gend und ich merk­te rela­tiv schnell, dass man sehr acht­sam sein muss­te, damit einem bei der Hit­ze nicht komisch wur­de. Danach lag ich erst­mal 3 Tage krank im Bett und konn­te mich kaum rüh­ren, weil sich mein Kreis­lauf völ­lig ver­ab­schie­det hat­te. Der übli­chen Emp­feh­lung vie­ler Bikram Stu­di­os, min­des­tens zwei bis drei Mal teil­zu­neh­men, um die Wir­kung wirk­lich ken­nen­zu­ler­nen, bin ich des­halb nicht gefolgt.

Hal­lo Hatha Yoga

Den­noch, mei­ne Neu­gier auf Yoga war geweckt und mit Hil­fe von Übungs DVD’s, Büchern, Vide­os, Work­shops und Kur­sen fand ich nach und nach immer mehr zum Hatha Yoga und merk­te wie gut mir die Bewe­gungs­ab­läu­fe taten. Wenn ich Yoga übte, ver­schwan­den mei­ne, der Schreib­tisch­ar­beit geschul­de­ten Rücken­schmer­zen schnell und ich war deut­lich aus­ge­gli­che­ner. Mein, wie ich bis dahin dach­te, gutes Kör­per­be­wusst­sein ver­än­der­te und ver­bes­ser­te sich immer mehr. Plötz­lich stand ich beim Ein­kau­fen vor dem Chip­s­re­gal und hat­te gar kei­ne Lust mehr dar­auf. Das heißt nicht, dass ich nicht auch mal zu lan­ge, aber ich tue es mitt­ler­wei­le bewuss­ter und mer­ke viel kla­rer was mir gut tut und was nicht.

Der ers­te Yogaglow

Dann ent­deck­te ich die Lan­ge Nacht des Yoga in Ham­burg. Völ­lig gestresst von einem Stu­dio zum ande­ren radelnd, ver­such­te ich so viel wie mög­lich mit­zu­neh­men und zu erfah­ren. Ein Schla­raf­fen­land für den neu­gie­ri­gen Yogi, denn über­all fan­den sich Stu­di­os, zum Teil an den ver­steck­tes­ten Orten der Stadt. Da waren Hin­ter­hö­fe, die einem nie auf­ge­fal­len waren und klei­ne reet­ge­deck­te Häus­chen in Block-Wohn­sied­lun­gen, die regel­rech­te Com­mu­nities beher­berg­ten. Als ich dann aus einem der Stu­di­os mit einem brei­ten Grin­sen und tiefen­ent­spannt her­aus schweb­te, war mir auf ein­mal völ­lig egal, ob ich es zum nächs­te Stu­dio und Kurs noch schaf­fen wür­de. Die­se Yoga­stun­de hat­te so viel mehr Tie­fe, so viel mehr Phi­lo­so­phie, so viel mehr mich selbst spü­ren, als mir jemals zuvor in einem Kurs begeg­net war und ich war unfass­bar aus­ge­gli­chen danach. Die Leh­re­rin hat­te mir etwas mit­ge­ge­ben, was mich seit­dem nicht mehr los­ge­las­sen hat. Das Wis­sen, wie man sich nach einer rich­tig guten Yoga­stun­de fühlt. Nun war es an mir, zu ler­nen und zu fin­den, was mir gut tat.

Yoga: Ehr­lich, Viel­falt und Einheit

Was ich gefun­den habe auf die­ser Suche ist Ehr­lich­keit. Yoga ist ehr­lich zu dir, zu dei­nem Kör­per und dei­nem Geist. Es zeigt dir ganz genau, wor­an du arbei­ten kannst und belohnt dich mit tie­fe­rem Ver­ständ­nis und Aha-Momen­ten. Ich mag es auch, dass man immer wie­der von sich selbst über­rascht wird, wenn man auf ein­mal eine Hal­tung schafft, die man vor­her nicht hal­ten konn­te oder in die man gar nicht hin­ein kam — sei es wegen feh­len­der Fle­xi­bi­li­tät, Kraft oder ein­fach nur Angst auf die Nase zu fal­len. Manch­mal ist es nur ein win­zi­ger Tipp oder eine ande­re Her­an­ge­hens­wei­se, mit der es dann plötz­lich “klick” macht. Ich weiß noch, wie ich in Kopen­ha­gen auf ein­mal auf mei­nem Kopf stand, was ich mich seit lan­gem nicht mehr getraut hatte. 

Daher nut­ze ich jede Gele­gen­heit mir auch immer mal wie­der ande­re Kur­se anzu­schau­en. Es gibt so vie­le unter­schied­li­che Arten und Leh­rer, da ist für jeden etwas dabei. Und es macht nicht in der kör­per­li­chen Pra­xis halt, son­dern man wird auch jen­seits der Mat­te fle­xi­bler. Fle­xi­bler im Den­ken und fle­xi­bler im Han­deln. Aber Yoga bedeu­tet für mich noch mehr, näm­lich Viel­falt. Viel­falt an Sti­len, Leh­ren, Her­an­ge­hens­wei­sen, aber auch Men­schen. Das Schö­ne ist aber auch, dass es eben­so Ein­heit bedeu­tet. Ein­heit, die Men­schen (in Klas­sen) ver­bin­det. Es ent­steht eine fas­zi­nie­ren­de Grup­pen­dy­na­mik und Ener­gie, die einen moti­viert immer wei­ter zu machen.

Der Weg ins Innere

Die ers­ten Schrit­te ins Yoga füh­ren einen meis­tens ganz von allei­ne auch wei­ter ins Inne­re. Mit jedem Schritt, den man in die Yoga­welt macht, eröff­net es einem neue Erkennt­nis­se und ande­re Zusam­men­hän­ge. Man­che Din­ge erschlie­ßen sich auch erst nach­dem man ein wenig Stre­cke auf sei­nem Yoga­weg zurück­ge­legt hat, wie mir z.B. das Man­tren sin­gen und der Feueratem. 

Wenn man irgend­wo Ver­span­nun­gen hat, löst es sie meist und wenn man mal nicht gut drauf ist oder auf­ge­wühlt vom Tag, fühlt man sich danach zen­trier­ter und bes­ser. Durch das Set­zen von Inten­tio­nen und die Beschäf­ti­gung mit der yogi­schen Phi­lo­so­phie wird einem bewuss­ter, wie man sich selbst ver­hält und war­um man Din­ge eigent­lich macht, wie man sie macht oder so reagiert, wie man es tut. Und wem das gan­ze Drum­her­um gar nicht inter­es­siert oder zu spi­ri­tu­ell ist, für den gibt es Kur­se, die eher sport­lich aus­ge­rich­tet sind und einen eben­so ausgleichen.

Wis­sen weitergeben

Über Hatha und Power Yoga in den ver­schie­dens­ten Ver­ei­nen und Stu­di­os, Län­dern und Städ­ten, kam ich dann zum Vin­ya­sa Yoga, was mei­ner krea­ti­ven See­le Abwechs­lung und den­noch Tie­fe schenk­te, die ich nicht mehr mis­sen möch­te. Nach eini­gen Jah­ren wur­de mir klar, dass es Zeit wird das Wis­sen wei­ter zu geben, damit auch ande­re und noch mehr Men­schen die­ses Gefühl, das wir “Yoga­g­low” nen­nen, ken­nen­ler­nen und sich damit bes­ser füh­len, frei­er den­ken und mehr zu sich selbst fin­den kön­nen. And here we go…

Habt ihr schon mal medi­tiert? Vor Bang­kok wäre ich wohl kaum auf die Idee gekom­men. Immer­hin bin ich ein Mensch, der stän­dig Hum­meln im Hin­tern hat, stän­dig was tun muss und wenn ich sit­ze dann läuft zumin­dest das Gehirn wild her­um. Als ich hör­te, dass man in einem der Tem­pel in Bang­kok gra­tis einen Medi­ta­ti­ons­kurs besu­chen kann, muss­te ich es natür­lich doch mal aus­pro­bie­ren, denn dar­um geht es doch beim Reisen. 

Die „Leh­re­rin“, die mich ein biss­chen an mei­ne Thea­ter­re­gis­seu­rin aus Schul­zei­ten erin­ner­te, gab mir net­ter­wei­se eine Ein­zel­stun­de. Sie drück­te mir ein Heft­chen in die Hand – qua­si eine Anlei­tung zum Medi­tie­ren – das soll­te ich erst­mal durch­le­sen, sie wür­de in einer drei­vier­tel Stun­de wie­der kom­men. Puh. Man muss dazu sagen, dass ich es has­se, Anlei­tun­gen jeg­li­cher Art durch­zu­le­sen. Tech­ni­sche Gerä­te wer­den so lan­ge aus­pro­biert bis sie lau­fen, ich bin stolz dar­auf, IKEA-Möbel­stü­cke ohne Anlei­tung zusam­men­bau­en zu kön­nen und gekocht wird ohne Rezept. Aber ich las brav das Heft und danach ging’s los.

Die Leh­re­rin erklär­te mir, dass ich ganz nor­mal wei­ter­at­men sol­le, aber dabei nur an das Ein­at­men und Aus­at­men den­ken soll­te. Danach wur­de gelau­fen: mit geschlos­se­nen Augen drei Schrit­te vor, dre­hen, drei Schrit­te zurück. Ganz lang­sam. Und dabei immer nur das den­ken, was man gera­de tut. Klingt sim­pel? Ich hat­te damit echt Pro­ble­me. Als sie mir nach 5 Minu­ten sag­te, ich sol­le das jetzt eine hal­be Stun­de wei­ter­ma­chen bekam ich bei­nah schon Panik. Aber ich zog es durch und schritt eine hal­be Stun­de auf und ab und dach­te dabei immer­zu “rechts – links – rechts- ste­hen – dre­hen – dre­hen – dre­hen – ste­hen – rechts – links…” Wahn­sinn. Ich, Juris­tin, nicht gera­de auf den Kopf gefal­len und latscht eine hal­be Stun­de nur hin und her. Aber das soll­te es noch nicht sein. Danach ging es im Schnei­der­sitz wei­ter – und wie­der durf­te ich nur ans Atmen den­ken. Irgend­wann schlief mein Fuß der­ma­ßen hef­tig ein, dass er ganz taub wur­de und ich es nicht mehr aus­hielt. Ich streck­te die Bei­ne aus und konn­te mir kaum ein Stöh­nen vor Schmerz ver­knei­fen, als das Blut zurück in die Bei­ne lief. 

Als ich mit mei­ner Ein­füh­rungs­stun­de fer­tig war, war ich ehr­lich durch. Es hat mich extrem viel Kon­zen­tra­ti­on gekos­tet, nicht stän­dig an Gott und die Welt zu den­ken und irgend­wie fühl­te ich mich ein biss­chen, als wäre mein Gehirn Wasch­ma­schi­ne gefah­ren. Ich glau­be ein Guru wer­de ich nicht… 

Gedan­ken von

Evelyn Yogalehrerin

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